Dienstag, 11. April 2017

Ein letzter Tanz von Judith Lennox

Der Roman „Ein letzter Tanz“ von Judith Lennox hat mich tatsächlich sehr überrascht! Positiv überrascht. Durch das relativ trivial gestaltete Cover, die eher weniger aussagekräftige Handlungsbeschreibung auf der Rückseite des Buches und auch allein schon wegen des Titels habe ich eine seicht dahinplätschernde Frauengeschichte vermutet, die mich vielleicht einige Lesestunden recht nett unterhalten würde. Tatsächlich habe ich aber beim Zuklappen des Buches ein wahrliches Glücksgefühl erlebt: die Geschichte, die hier auf knapp 600 Seiten erzählt wird, hat so viel mehr zu bieten! Es ist eine wunderbar realistische, eindringliche und kaum kitschige Familien- und Generationengeschichte, in deren Mittelpunkt immer das alte englische Herrenhaus Rosindell steht. Das Haus begleitet eine ganze Familie über mehrere Generationen hinweg auf ihren Lebenslinien, erlebt deren Freude, Liebe, Glück und Trauer und wird schwer in Mitleidenschaft gezogen durch Kriege, Verluste und verbitterte Handlungen erboster Menschen. Es wächst einem als Leser stetig ans Herz, man fühlt sich irgendwann so verbunden damit, dass man es beinahe selbst als eigenständige Person sieht, die auch empfindet und leidet und existiert.

Rosindell erlebt mit, wie sich die Entscheidungen der Menschen und der Lauf der Zeit auf spätere Ereignisse auswirkt, wie die Menschen, die darin lebten und liebten allesamt miteinander verbunden sind und doch jeder seine eigene Lebensgeschichte zu erzählen hat. Jeder in der Geschichte ist mir ans Herz gewachsen, alle Lebensläufe und Reaktionen empfand ich als realistisch und nachvollziehbar, eben als hätte es das Leben selbst geschrieben. Auch wenn ich den mittleren Teil als den zähesten empfand, konnte ich zum Ende der Geschichte den Bogen erkennen, der hier gespannt wurde, der eben diese klare und wunderbare Erkenntnis am Ende des Buches bewirkt: alles ist miteinander verbunden, die Liebenden und die Hassenden, die Reaktionen und Entscheidungen der Menschen mit ihren Nachfahren und deren Entscheidungen und so weiter und alles mündet sich in dieser einen großen Erleichterung: gelebt zu haben und geliebt zu haben. 


Ich freue mich wahnsinnig auf weitere Bücher von Judith Lennox und hoffe auf viele weitere solche Schätze von ihr zu stoßen!

Maren 

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