
Nach der anspruchsvollen und fordernden -aber wunderbaren- Lektüre Nachts ist es leise in Teheran, hatte ich das Bedürfnis etwas leichteres und unbeschwertes zu lesen.
Dass ich ausgerechnet dieses Buch las, war ziemlicher Zufall! Eigentlich bin ich für Jugend-High-School-Bücher nicht unbedingt zu haben. Momentan befinden sich jedoch alle meine Bücher in Umzugskartons, Love Letters to the Dead war als einziges noch unverpackt. Da ich mir Bücher immer nach aktueller Stimmungslage aussuche, mag es nicht sonderlich, wenn ich "vorgeschrieben" bekomme, was ich als nächstes lesen soll. Meine Erwartungen waren demensprechend niedrig.
Letztendlich habe
ich dieses Buch verschlungen. Ich habe in diesem Buch gelebt und es hat mich
ernsthaft zum Nachdenken angeregt. Das mich der Text so fesselt, hätte ich nie
gedacht! Man sollte öfters Bücher außerhalb seines üblichen "Beuteschemas"
lesen, ganz ohne große Erwartungen.
Nun kurz zum Inhalt:
Laurel ist die kleine Schwester von May. May ist auf tragische Weise gestorben,
wie genau, erfährt der Leser nach und
nach. Laurel bekommt von ihrer Englischlehrerin die Aufgabe einen Brief an einen
Verstorbenen zu schreiben. Laurel schreibt an Kurt Cobain, gibt die Aufgabe
aber nie ab. Sie schreibt weiter an Verstorbene, zum Beispiel an Amy Winehouse,
River Phoenix und Janis Joplin. Die Eltern von Laurel haben sich schon vor dem
Verlust von May getrennt. Abwechselnd lebt sie bei beiden. Zu allem Überfluss
wechselt Laurel die Schule und ihre Mama flüchtet vor ihrer Trauer auf eine
Ranch. Ihre jesusverückte Tante Amy versucht einzuspringen.
Bis hierhin hört
sich die Geschichte vielleicht nach einem 0815 Jugendbuch an. Das Interessante
an diesem Roman ist, dass jedes Kapitel ein Brief an einen Verstorbenen ist.
Man erfährt dadurch auch wissenswerte Details aus den Leben der berühmten
Persönlichkeiten. Die Briefe sind außerdem wie Tagebucheinträge. Mit der Zeit
erfährt der Leser mehr über die Umstände von Mays Tod und dem Seelenleben von
Laurel.
Obwohl ich nicht
mehr in der High-School bin, meine Schwester nicht tot und meine Eltern nicht
getrennt, konnte ich mich unheimlich gut mit der Geschichte identifizieren. Die
Nebenfiguren, wie zum Beispiel die neuen Freunde von Laurel, sind außerdem alle sehr starke und
interessante Charaktere, über die ich gerne noch mehr gelesen hätte.
Kritisch betrachtet
stört mich nur der Titel des Buches. Es geht hier nicht wirklich um Love
Letters, es sind tagebuchartige Briefe to the Dead. Eigentlich viel
inspirierender als Liebesbriefe.
Ein einziger Liebesbrief ist dabei, nämlich der Brief von Laurel an May.
Ein einziger Liebesbrief ist dabei, nämlich der Brief von Laurel an May.
Ich habe dieses Buch,
trotz anfänglicher Skepsis, sehr gemocht und für gut befunden. Viele Passagen
regen zum Nachdenken an. Während der Lektüre war ich glücklich, traurig ,
rebellisch, neugierig, angespannt - alles gleichzeitig!
Hannah
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