Dienstag, 14. März 2017

180 Grad Meer von Sarah Kuttner / Hörbuch


Ungekürzte Autorinnenlesung

Jule ist keine sympathische Protagonistin. Sie hinterlässt bei Menschen ein merkwürdiges Gefühl des Unwohlseins. Sie hat Macken und komische Eigenheiten und sie trägt unglaublich viel Wut mit sich, und vor allem in sich, herum.
Jule wuchs mit Ihrem Bruder und ihrer depressiven und selbstmordgefährdeten Mutter in Deutschland auf. Zu ihrem Vater hat sie keine gute Beziehung, er ist früh mit einer anderen Frau nach England abgehauen.

Jule ist Jazz-Sängerin, dabei mag sie Jazz nicht unbedingt und Singen findet sie eigentlich auch nicht besonders toll. Sie lebt ein Leben, das sie nicht gerne lebt. Sie erträgt es aber. Irgendwie.
 
Als ihre Beziehung anfängt zu bröckeln, flüchtet sie zu ihrem Bruder, der in London studiert. Sie quartiert sich bei ihm ein und weiß nicht wirklich etwas mich sich anzufangen. Als sie erfährt, dass ihr Vater Krebs im Endstadium hat, ist es ihr anscheinend egal. Sie fängt an sich um einen Hund zu kümmern, der sie nicht leiden kann. Er ist mürrisch, bissig und will nicht gerne gestreichelt werden. Also eine Jule in Hundeformat. Je inniger die Beziehung zu diesem Hund letztendlich wird, desto eher bekommt Jule ihr eigenes Leben in den Griff. Ihr Leben wird mehr als nur "erträglich".
 
Mir gefällt die Sprache Kuttners wirklich sehr, sie ist ehrlich, witzig, traurig und blieb mir noch nach Tagen immer wieder im Ohr. Die Beschreibungen Londons und des Meers wecken Erinnerungen und Sehnsüchte… Ich muss dringend meinen nächsten England-Meer-Urlaub buchen!

Eine tragikomische Road-Novel über das schwierige Verhältnis zu den eigenen Eltern und den Wunsch, Urlaub von sich selber machen zu können.

Hannah

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