
Ungekürzte Autorinnenlesung
Jule ist keine
sympathische Protagonistin. Sie hinterlässt bei Menschen ein merkwürdiges
Gefühl des Unwohlseins. Sie hat Macken und komische Eigenheiten und sie trägt
unglaublich viel Wut mit sich, und vor allem in sich, herum.
Jule wuchs mit Ihrem
Bruder und ihrer depressiven und selbstmordgefährdeten Mutter in Deutschland
auf. Zu ihrem Vater hat sie keine gute Beziehung, er ist früh mit einer anderen
Frau nach England abgehauen.
Jule ist
Jazz-Sängerin, dabei mag sie Jazz nicht unbedingt und Singen findet sie
eigentlich auch nicht besonders toll. Sie lebt ein Leben, das sie nicht gerne
lebt. Sie erträgt es aber. Irgendwie.
Als ihre Beziehung
anfängt zu bröckeln, flüchtet sie zu ihrem Bruder, der in London studiert. Sie
quartiert sich bei ihm ein und weiß nicht wirklich etwas mich sich anzufangen.
Als sie erfährt, dass ihr Vater Krebs im Endstadium hat, ist es ihr anscheinend
egal. Sie fängt an sich um einen Hund zu kümmern, der sie nicht leiden kann. Er
ist mürrisch, bissig und will nicht gerne gestreichelt werden. Also eine Jule
in Hundeformat. Je inniger die Beziehung zu diesem Hund letztendlich wird,
desto eher bekommt Jule ihr eigenes Leben in den Griff. Ihr Leben wird mehr als
nur "erträglich".
Mir gefällt die
Sprache Kuttners wirklich sehr, sie ist ehrlich, witzig, traurig und blieb mir
noch nach Tagen immer wieder im Ohr. Die Beschreibungen Londons und des Meers
wecken Erinnerungen und Sehnsüchte… Ich muss dringend meinen nächsten
England-Meer-Urlaub buchen!
Eine tragikomische
Road-Novel über das schwierige Verhältnis zu den eigenen Eltern und den Wunsch,
Urlaub von sich selber machen zu können.
Hannah
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