Donnerstag, 2. März 2017

Liebten wir von Nina Blazon

»Fotos verraten alles. Sie zeigen das, was gezeigt werden soll – aber darüber hinaus zeigen sie die Lücken in den Familien, die schadhaften Stellen am Haus.«

Verstohlene Blicke, versteckte Gesten, die Abgründe hinter lächelnden Mündern: Moira ist Fotografin und fühlt sich ohne ihre Kamera nicht als Ganzes. Sie hat eine problematische Kindheit hinter sich, weshalb sie so etwas wie Geborgenheit oder elterliche Liebe nie richtig erlebt hat. Aus diesem Grund verliebt sie sich auch eher in die Familie ihres Freundes Leon, als in Leon selbst.
Das erste Treffen mit eben dieser Familie verläuft aber so ganz anders als gedacht und mündet in einer Katastrophe, welche den Handlungsstrang der Geschichte jetzt erst richtig vorantreibt.

Trotz der über 500 Seiten und der problematischen und manchmal verworrenen Handlungsverläufe ist es eine Geschichte, in die man eintaucht und gar nicht mehr auftauchen will. Man wird regelrecht mitgerissen mit diesen vielschichtigen Charakteren, die man mal mag, mal weniger mag und mit ihren Geschichten und Lebensläufen und deren Gründe, weshalb sie so geworden sind wie sie sind. Feige, gebrochen, demoliert und trotzdem mutig und jeder für sich und auf ganz eigene Art liebenswert und weise. Außerdem bekommt man durch die blumige und lebendige Beschreibung der Handlungsorte richtig Lust auf Finnland und seine Kultur, ein Land in dem bis jetzt keiner meiner gelesenen Bücher gespielt hat.

Die Mischung aus Roadtrip, Generationenroman und Selbstfindungsgeschichte lassen einen den Roman nicht so einfach vergessen und haben ihn für mich zu einer bittersüßen und ganz besonderen Geschichte gemacht, die ich mittlerweile sogar zu den Lesehighlights in diesem Jahr zählen würde.

Maren

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