Ganz zufällig und ohne, dass ich es
eigentlich auf meiner Wunsch-Lese-Liste hatte, kam ich dazu, dieses Buch
zu lesen. Weder die Thematik, noch der Titel haben mich so überzeugt,
dass ich es mir überhaupt
merken wollte, nachdem ich es entdeckt hatte, und trotzdem kam ich vom
Lesen nicht mehr weg, bis ich es zuende gelesen hatte. So eine seltsame
Wirkung haben Bücher eigentlich selten auf mich. Wenn mir ein Buch so
gar nicht zusagt, les ich es erst gar
nicht oder leg es tatsächlich nach ein paar Seiten wieder weg. Einfach
weil es für mich so viel mehr zu lesen gibt, auf das ich wirklich
neugierig bin oder das ich einfach gerne lesen möchte.Die Gründe, weshalb ich es schließlich doch zuende gelesen
habe, lassen sich nicht so klar definieren, wie man es sonst kennt. Die Handlung lässt sich in wenigen Sätzen beschreiben, es passiert tatsächlich nicht sehr viel in dieser Geschichte, doch die Geschichte hatte einen merkwürdigen Sog auf mich.
Im Kurzen zusammengefasst, geht es um eine Südkoreanerin, deren Leben und Ehe nicht wirklich auffallend oder bemerkenswert zu beschreiben ist. Der Ehemann, aus dessen Sicht der erste Teil des Romans auch geschrieben ist, gibt sogar selbst offen zu, er habe seine Frau nur geheiratet, weil sie an Durchschnittlichkeit kaum zu übertreffen sei. Das ruhige und unspektakuläre Leben der beiden ändert sich jedoch schnell, als die Frau beschließt, Vegetarierin zu werden. Dieses zum Teil sehr radikal ausgeführte Vegetarier-Dasein kann von ihr weder rational erklärt werden, noch können ihre Familie und Freunde den richtigen Draht zu ihr knüpfen, um ihr Beistand oder Unterstützung zu sein. Diese Kluft zwischen der vernünftig erscheinenden Denkweise der Verwandten und der immer verrückter werdenden Obsession der Protagonistin führen durch mehrere Zwischenfälle schließlich zu einem grotesken und zugespitzten Fiasko.
Die Art und Weise, wie Han Kang es schafft, den Leser zusehends in eine so seltsame kafkaeske Szene reindenken zu lassen ist wahrlich bemerkenswert. Beim Lesen ist man zum Teil angeekelt, zum Teil fasziniert und doch kann man sich auf irgendeine komische Art in die Protagonistin hineinversetzen, obwohl nicht immer alles nachvollziehbar erscheint. Nicht alle drei Teile des Romans haben mir gleich gut gefallen, an manchen Stellen wurde mir das Thema zu offensichtlich auf die sexuell-psychologische Ebene abgeleitet, was für mich irgendwie wenig Sinn machte, an anderen fehlte mir die Aufklärung und das Eingehen auf die inneren Ereignisse der Protagonistin, was aber von der Autorin bestimmt mit Absicht weggelassen wurde. Trotz allem ein fesselndes Buch, das durch die Schlichtheit in der Sprache und die Absurdität der Begebnisse besticht.
Sicher keine Lektüre für jedermann, aber auf jeden Fall eine Lektüre mit Interpretationsspielraum und für Leser mit Spaß am Skurrilen.
Maren
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